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Gemeinde Ötigheim
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Gemeindewald

Die geschichtliche Entwicklung unseres Gemeindewaldes

Die erste urkundliche Erwähnung des Gemeindewaldes stammt aus dem Jahre 1697. Damals wird ein Wald an der Gemarkungsgrenze Ötigheim-Muggensturm beschrieben. Zu dieser Zeit waren die gebüschhohen Niederwälder, die durch Waldnutzung und Grasnutzung aufgelichtet waren, in der Rheinaue landschaftsbestimmend. Um die Ortschaften befanden sich stark aufgelichtete Wälder, die durch eine vorwiegend aus Eiche bestehende Einzelbaumstruktur gekennzeichnet waren. Eine große Bedeutung hatte hier die Schweinemast im Wald, was alte Flurnamen und der Abteilungsname „Sauweide“ im Gemeindewald Ötigheim belegen.

Um 1800 wird in den Gemeindeakten festgestellt, dass der Gemeindewald zwar klein sei, aber sehr viele schöne Eichen besitze. In den Aufzeichnungen findet sich die Bezeichnung „Holländer-Eichen“, was auf die Verwendung der Ötigheimer Eichen für den Schiffs- und Hausbau in Holland hinweist. Zu dieser Zeit hatte das Eichenholz bereits eine herausragende wirtschaftliche Bedeutung in der Gemeinde. So wurden für die einzelne Eichen Preise von 30 Gulden pro Baum erzielt, was damals dem Wert eines Bauplatzes in Ötigheim entsprach.
Welche Bedeutung der Eiche im Ötigheimer Wald auch später noch zukam, belegen die Zahlen der Forsteinrichtung von 1876. Der Anteil der Eiche betrug damals 60 % und 1926 noch immer 35 %. Auch wenn sich diese Zahlen auf das Oberholz beziehen, ist dieser Eichenanteil beachtlich. Die deutlich ansteigenden Anteile von Esche und Erle während dieses Zeitraumes belegen allerdings die Konkurrenzstärke dieser Baumarten auf dem überwiegenden Teil des Standortes des Gemeindewaldes.

Als wichtige Nebennutzung war die Seegrasnutzung bis in die 30er Jahre verbreitet und wurde in einigen Beständen wie beispielsweise in den Roterlen-Althölzern bis in die 60er Jahre ausgeübt. Die vom Seegras und dessen dichten Wurzelfilz dominierte Krautschicht beeinträchtigt in Teilbereichen bis heute die natürliche Verjüngung.
Die Waldfläche ist seit Beginn der Forsteinrichtung leicht angestiegen, war aber keinen großen Schwankungen ausgesetzt. Erst in den letzten 10 Jahren ist eine starke Veränderung durch eine erhebliche Flächenzunahme zu verzeichnen.

Lage
Der Gemeindewald liegt in der Rheinebene, überwiegend im Bereich der Flussaue in unmittelbarer Nähe des Gestadebruchs. Auf der Niederterrasse (Hardt) liegen die Distrikte IV, V und VI. Sie nehmen jedoch nur 9 % der Fläche des Gemeindewaldes ein. Der überwiegende Teil befindet sich somit in einer Geländemulde an der tiefsten Stelle zwischen Rhein und Hochgestade, was für die natürlichen Standortsverhältnisse von besonderer Bedeutung ist.
Klima
Das Lokalklima im Gemeindewald wird durch die folgenden meteorologischen Kennzahlen charakterisiert:
Jahresdurchschnittstemperatur: 9,5 °C
Mittlere Lufttemperatur im Januar: 0,5 °C
Mittlere Lufttemperatur im Juni: 19,0 °C
Mittlerer Jahresniederschlag: ca. 890 mm
Mittlerer Niederschlag in der Vegetationsperiode (16.04.-15.10.) ca. 470 mm.
Das Klima, das durch milde Winter, warme bis sehr warme Sommer und eine lange Vegetationsperiode sowie ganzjährig ausreichende Niederschläge charakterisiert ist, bietet sehr gute Wachstumsbedingungen. In der Randsenkenlage auftretende Spätfröste stellen hingegen eine Gefahr dar.

Geologie und Böden
Der Gemeindewald Ötigheim liegt im während es Tertiärs entstandenen Oberrheingraben, der während der Eiszeiten aufgeschottert wurde und in den sich der postglaziale Rhein eingegraben hat. Die deutliche Grenze des nacheiszeitlichen Rheins bildet das landschaftlich markante Hochgestade. Neben dem Rhein wurde im Bereich des Gemeindewaldes Material der Murg abgelagert, die hier zum Rhein hin durchgebrochen ist. Die Böden, die sich aus den Rheinsedimenten entwickelt haben sind basen- und nährstoffreich, auch wenn sie mit Ausnahme des Distrikts III im Oberboden überwiegend entkalkt sind (Distrikt I u. VII). Die Sedimente aus dem Schwarzwald, welche die Murg und ihre Nebenflüsse (Federbach) im Bereich des Gemeindewaldes abgelagert haben, sind kalkfrei und nährstoffarm. Hier haben sich basenarme Böden, die im südlichen Teil des Gemeindewaldes (Distrikt II) vorkommen, entwickelt. In der Randsenke entlang des Hochgestades haben sich durch ständig hoch anstehendes Grundwasser anmoorige Böden gebildet. Im Bereich der Niederterrasse (Hardt), einem fast reinen Kies- und Sandkörper zwischen Rheinaue und Kinzig-Murgrinne, befinden sich die Distrikte IV, V und VI. Das geologische Ausgangsmaterial bilden hier während der Würmeiszeit angeschwemmte nährstoffarme Sande und sandige Kiese aus dem Schwarzwald, aus denen sich extrem basenarme Sandböden entwickelt haben.

Hydrologie
Für die Standortsverhältnisse im Ötigheimer Wald ist, mit Ausnahme der Flächen auf der Hardt, das Grundwasser von entscheidender Bedeutung. Die Lage des Gemeindewaldes in der Geländemulde am Hochgestade führt zu hohen Grundwasserständen, die auf großen Flächen das Baumwachstum beeinflussen.

Innere und äußere Verkehrslage
Mit einer Fahrwegedichte von 58,4 lfm/ha (15,1 km) ist der Gemeindwald sehr gut erschlossen. Der Wegezustand der überwiegend wassergebundenen Wege kann insgesamt als sehr gut bezeichnet werden. Das Maschinenwegenetz erreicht 46,2 lfm/ha (12 km) und ergänzt die Erschließung durch Fahrwege zweckmäßig. Das gute Netz permanent markierter Rückelinien verhindert auf den verdichtungsgefährdeten Lehm- und Tonböden ein flächiges Befahren.
Die äußere Verkehrslage des Gemeindewaldes Ötigheim ist sehr gut. Die Bundesstraßen B 3 und B 36 liegen in unmittelbarer Nähe des Gemeindewaldes, im Südosten führen Fahrwege sogar auf die Bundesstraßen. Die Bundesautobahn A 5 ist über die nur wenige Kilometer entfernte Anschlussstelle Rastatt ebenfalls direkt zu erreichen.

Fläche und Flächenaufteilung
Die Gesamtbetriebsfläche des Gemeindewaldes Ötigheim beträgt am Stichtag der Forsteinrichtungserneuerung 269,1 ha.

Die Gesamtbetriebsfläche hat seit 1988 mit insgesamt 40,7 ha (18 %) erheblich zugenommen. Die Flächenzunahme ist vor allem auf die im letzten Jahrzehnt in großem Umfang durchgeführten Aufforstungen mit Schwerpunkten in den Distrikten VII, IV und VI zurückzuführen.
Größere Flächenabgänge sind in der Abteilung II/16 durch den Bau der Brüchelwaldhalle und den Bau der neuen Hauptschule sowie durch die Erweiterung eines Reitplatzes zu verzeichnen.
Die Forstliche Betriebsfläche setzt sich aus 92 % Altersklassenwald, 2 % Dauerbestockung, 2 % Wirtschaftswald in außerregelmäßigem Betrieb und 4 % Nichtholzboden zusammen.

Baumarten
Der Gemeindewald Ötigheim ist durch seine ausgeprägte Baumartenvielfalt gekennzeichnet. So kommen weit über 30 verschiedene Baumarten in den Beständen vor, von denen im Rahmen der Forsteinrichtung 25 ausgewertet werden konnten. Esche und Roterle sind mit 21 % die mit Abstand am häufigsten vorkommenden Baumarten. Bereits mit deutlichem Abstand folgen Bergahorn, Roteiche, Eiche, Pappel und Hainbuche. An sonstigen Laubbäumen (11 %) haben Kirsche, Nuss, Robinie und Birke mit jeweils 2 % die größten Anteile. Die Nadelbäume erreichen insgesamt 4 % und setzen sich aus 2 % Forle und jeweils 1 % Douglasie und Fichte zusammen.

Waldfunktionen
Der Gemeindewald Ötigheim erfüllt im Rahmen der Naturnahen Waldwirtschaft Nutz-, Schutz und Erholungsfunktionen auf der gesamten Fläche. Von der Waldfunktionenkartierung (1975) wurden im Gemeindewald Ötigheim Flächen mit besonders bedeutenden Waldfunktionen ausgewiesen. Im Rahmen der 1996 durchgeführten Waldbiotopkartierung wurden Flächen mit besonderer Bedeutung für den Biotop- und Artenschutz erfasst, von denen eine Großteil nach § 24a NatSchG oder § 30a LWaldG geschützt sind. Neben den genannten Flächen sind gut ein Drittel des Gemeindewaldes durch Rechtsverordnung als Naturschutzgebiet ausgewiesen und von der Körperschaftsforstdirektion wurden gut 18 ha zu Schonwäldern erklärt. Schließlich liegt fast der gesamte Gemeindewald in Wasserschutzgebieten.

Wasserschutz
94 % Forstliche Betriebsfläche sind als Wald in Wasserschutzgebieten gesetzlich geschützt. Lediglich der Distrikt VI und Teile des Distrikts IV und V liegen nicht in Wasseschutzgebieten.

Naturschutzgebiet
Das Naturschutzgebiet „Auenwälder und Feuchtwiesen westlich von Ötigheim“ wurde am 15.07.1994 durch Rechtsverordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe ausgewiesen und hat einen Anteil von
34 % an der Forstlichen Betriebsfläche. Schutzziel ist u. a. die Erhaltung der für die Rheinniederung typischen Auenwälder mit ihrer Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten, insbesondere im Randsenkenbereich der Rheinaue.

Schonwälder
Im Jahre 1993 wurden durch Erklärung der Körperschaftsforstdirektion Karlsruhe die beiden Schonwälder „Bannholz“ und „Bustel“ festgesetzt.

Erholungsfunktion
Der Gemeindewald dient der Naherholung und wurde zu 41 % als Erholungswald der Stufe II kartiert. Hierzu gehören insbesondere die ortsnahen Teile der Distrikte I, II und VII.